Und wie kamen Sie zum Film?
Geld verdienen war für mich immer nur Mittel zum Zweck, um Ausstellungen zu machen. Ich spendete auch Blut, um mir Fotopapier leisten zu können. Aber mich interessierte immer die Realität. Nie Science-Fiction, immer der Mensch und seine Geschichte. Irgendwann merkte ich: Ein Bild ist ein Satz, aber ich will den ganzen Roman schreiben. So wurde ich Kameramann, dann Regisseur und schließlich Produzent. Aber das Auge bleibt das eines Fotografen: Ich suche immer den Moment, der berührt.
Sie gegründeten dann 1985 kurz nach Ihrem Studium eine Filmproduktionsfirma.
Das war auch aus Neugierde. Nichts in meinem Leben geschieht einfach so, weil es mir in die Wiege gelegt wurde. Ich komme von der Kunst, Geld lag nie auf meinem Weg. Aber ich wollte Geschichten von Anbeginn an gestalten. Gestartet habe ich nonfiktional mit Dokumentationen, Magazinen und Shows. Das waren über 600 Produktionen. Mitte der 1990er-Jahre machten wir dann eine Sendung namens »Klick«. Wir interviewten Bill Gates, als Microsoft gerade erst groß geworden war. Wir produzierten aus einem virtuellen Studio – damals brauchte man dafür drei Übertragungswagen voller Kabel, heute reicht ein MacBook. Und dann hatten meine Frau und ich die verrückte Idee, einen Spielfilm über das Internet zu machen: »Die Mädchenfalle – Der Tod kommt online«. Das war 1998.
Hand aufs Herz: Wer wollte damals einen Film über Computer sehen?
Niemand! Die Leute sagten: »Computer sind hässliche Dinger und das Internet wird es nicht lange geben.« Aber wir bearbeiteten RTL so lange, bis sie es kauften. Alexandra Maria Lara spielte damals die Hauptrolle, Thomas Kretschmann den Kommissar. Es wurde ein riesiger Erfolg. Danach gab mir RTL als Dankeschön den Auftrag für den großen Zweiteiler »Pest – Die Rückkehr«. Darin brach in Köln die Pest aus, Brücken wurden gesperrt – wie in »Outbreak« mit Dustin Hoffman. Da sprach sich herum, dass wir eine junge, tolle Schmiede sind. Kurz darauf kam »Das Wunder von Lengede«. 13 Millionen Zuschauer. Plötzlich war ich mitten im großen Filmgeschäft.
Sie entdeckten Uma Thurman, stimmt das?
Ich nicht, das war meine verstorbene Frau, sie arbeitete damals in Amerika und sah in Uma mehr als nur ein Fotomodell. Sie war ein langer Lulatsch, wie man so schön sagt, keiner wollte sie besetzen, die Studios sahen ihr Potenzial nicht. Also überlegte sie sich, ihr einfach eine Rolle geben. So kam Uma Thurman zu ihrem ersten Film, er hieß »Kiss Daddy Good Night«. Das beschreibt eigentlich ganz gut unsere Arbeitsweise: Wenn alle anderen sagen »Das geht nicht« oder »Die passt nicht ins Raster«, fangen wir erst an. Man braucht diese Chuzpe, sonst bleibt man im Mittelmaß stecken.