Aber wenn jemand keine besondere Beziehung zu Rolex hat: Welche
Geschichte, welches Modell oder welches Detail müsste man ihm zeigen,
damit er die Faszination plötzlich versteht?
Ich würde gar nicht mit einer Uhr beginnen, sondern mit Menschen. Mit
Mercedes Gleitze, die den Ärmelkanal durchschwamm. Mit Forschern,
Piloten, Rennfahrern oder Bergsteigern. Rolex war über Jahrzehnte Teil
von Geschichten über Neugier, Aufbruch und Entdeckung. Wenn man diese
Geschichten kennt, sieht man plötzlich nicht mehr nur eine Uhr. Man
versteht, warum daraus eine Ikone geworden ist. Und man erkennt
gleichzeitig, wie visionär Hans Wilsdorf (der Gründer von Rolex, Anm.)
war. Er verstand schon sehr früh, dass technische Innovation allein
nicht genügt. Erst Geschichten verleihen Bedeutung. Rolex hat
Geschichten nie als Dekoration verstanden, sondern als Teil der Marke
selbst. Die Marke hat ihre Geschichten früh erkannt, klug erzählt und
über Generationen hinweg konsequent weitergeschrieben.
Es gibt den berühmt-berüchtigten Spruch eines französischen Werbers:
»Wer mit 50 keine Rolex hat, hat es in seinem Leben zu nichts
gebracht.« Auf Instagram machte jüngst ein anderer Spruch die Runde:
»Eine Rolex ist keine Uhr, sondern ein Preisschild an deinem
Handgelenk.« Wie erklären Sie sich, dass kaum eine andere Uhrenmarke so
viele Projektionen und Reaktionen auslöst?
Wenn eine Marke so charakterisiert wird, hat sie offensichtlich eine
enorme kulturelle Relevanz. Denn was sagt dieser Satz eigentlich? Dass
hier etwas als besonders wertvoll wahrgenommen wird. Miesepetrig und
neidisch wird diese Eigenschaft aber gerne auch einmal eindimensional
mit dem Preis assoziiert, was wiederum mehr über unsere Gesellschaft als
über die Uhr verrät.
Natürlich gibt es Menschen, die eine Rolex als Statussymbol tragen.
Das zu bestreiten, wäre naiv. Aber daraus abzuleiten, sie sei deshalb
nur ein Statussymbol, greift viel zu kurz. Mich interessiert deshalb
weniger die Frage, ob Rolex ein Statussymbol ist. Spannender finde ich,
warum wir bestimmten Dingen überhaupt Status, Bedeutung und so viel
Aufmerksamkeit verleihen. Status ist eine Folge von Qualität, Bedeutung
und Faszination und nicht ihre Ursache.