Opa war ein harter Hund. Wortkarg. Knurrig. Opa machte stets den Eindruck, als ob er über die Welt Bescheid weiß, es aber nicht erzählen will. Er sagte Sätze wie: »Hmm … ja.« oder »Hmm … nee.« Und er brachte seinem weinenden Enkel am Boden im Garten neben der Schaukel bei: »Hör auf zu heulen. Was dich nicht umbringt, macht dich nur härter.« Ist heute nicht mehr so angesagt. Aber ja, so war Opa eben.
Nassim Nicholas Taleb hat 2012 in seinem Buch Antifragilität eine Unterscheidung eingeführt, die über einfache Widerstandsfähigkeit hinausgeht. Es gibt fragile Systeme, die durch Stress beschädigt werden. Es gibt robuste Systeme, die Stress unverändert überstehen. Und es gibt antifragile Systeme, die durch Stress besser werden. Als Bild dient ihm die Hydra aus der griechischen Mythologie: Wer ihr einen Kopf abschlägt, bekommt zwei neue geliefert. Ein Muskel wächst unter Belastung, ein Knochen verdichtet sich unter Druck. Und nur so, meint Taleb, kann auch eine Idee stärker werden, wenn sie ihre eigenen Fehler in die nächste Version einarbeitet. Damit nähert sich Taleb philosophisch betrachtet einer Erkenntnis, die Opa seinem weinenden Enkel mit seinem rustikalen Kommentar beigebracht hat: Was einem zusetzt, muss einen nicht schwächen, es kann auch der Beginn für eine Verbesserung sein.