Die »Tales of«-Reihe startete 1995 mit »Tales of Phantasia« auf dem Super Famicom, kurz bevor Nintendo die Konsole in Rente schickte, und hatte das zweifelhafte Vergnügen, das erste und einzige Spiel auf dieser Hardware zu sein, das einen richtigen gesungenen Titelsong besaß. Für 1995 war das so gewöhnlich wie ein Smoking auf einem Flohmarkt. Und genau dieses leicht überdrehte Selbstbewusstsein hat Bandai Namco nie ganz abgelegt. Dreißig Jahre und siebzehn Hauptteile später ist »Tales of Arise« der Beweis, dass die Reihe noch immer weiß, wie man einen großen Auftritt hinlegt. Auf der Nintendo Switch 2 erscheint es jetzt als »Beyond the Dawn Edition« und liefert das vollständige Erlebnis inklusive Erweiterung ab.
Im Zentrum steht ein Paar, das die Romantik-Abteilung des Universums offenbar als persönliche Herausforderung betrachtet hat. Alphen ist ein maskierter Dahnanischer Sklave ohne Erinnerungen, der buchstäblich keinen Schmerz empfinden kann. Shionne ist eine Renäerin, deren Fluch jeden bei Berührung mit fürchterlichem Schmerz bestraft. Man nehme diese zwei, schicke sie gemeinsam los, um den Planeten Dahna nach 300 Jahren renäischer Unterdrückung zu befreien, und staune, was dabei erzählerisch herauskommt. Die Geschichte entfaltet sich über dutzende Spielstunden mit echtem Gewicht, und die Schlüsselszenen werden in Animationen des Studios Ufotable inszeniert, das man von der »Demon Slayer«-Reihe kennt. Das sieht nicht einfach gut aus. Das sieht umwerfend aus.