Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang Kontinuität innerhalb des Designs einer Marke?
Kontinuität darf nicht zur Wiederholung werden. Nach ein oder zwei Produktgenerationen erwarten die Menschen Neues. Zudem verändert sich das globale Umfeld durch chinesische Hersteller, die Marken ohne jahrzehntelange Historie in enormer Geschwindigkeit aufbauen.
Wie blicken Sie auf den Markt in China?
Ich sehe die Gefahr, dass das Auto zur reinen Commodity verkommt – zu einem Produkt ohne eigene Persönlichkeit und Seele. Gleichzeitig lernen wir von der dortigen Entwicklungsgeschwindigkeit: Den neuen Twingo haben wir gemeinsam mit einem Ingenieurpartner in China in nur einundzwanzig Monaten entwickelt; in Europa hätte das über drei Jahre gedauert. Die Welt braucht bezahlbare Elektroautos für die breite Masse.
Maßgeblich und intensiv wird dabei zur Zeit die Rolle von Künstlicher Intelligenz diskutiert. Welche Rolle spielt sie tatsächlich bei Ihnen im Design?
Für mich ist KI vor allem ein weiteres Werkzeug im kreativen Prozess. Entscheidend ist nicht, auf welchem Weg eine Idee entsteht, sondern ob sie gut ist. Eine starke Idee kann aus einer Skizze kommen, aus Photoshop, aus einem Gespräch oder mithilfe von KI. Am Ende zählt die Qualität der Idee – nicht das Werkzeug, mit dem sie entstanden ist.
Und was raten Sie heute einem jungen Menschen, wenn er Automobildesigner werden möchte?
Früher war das Feld in Exterieur, Interieur sowie Farben und Materialien unterteilt. Heute vereint ein Fahrzeug Disziplinen von Sound- bis User Experience Design. Die eigentliche Kunst besteht darin, die Balance zwischen Designanspruch und Ingenieursrealität zu finden.
Abschlussfrage: Was ist guter Stil für Sie?
Stil ist das Ergebnis aller persönlichen Erfahrungen und Einflüsse. Ein Auto zeigt, was man sein möchte. Das eigene Zuhause verrät, wer man tatsächlich ist.
Lesen Sie dazu in der aktuellen ramp #71 »Jabba Jabba Doo!« auch das große Interview mit Fabrice Cambolive, CEO der Marke und Chief Growth Officer der Renault Group.