Ein Computer, der eine alte Frau zum Einkaufen chauffiert? Sonderlich spektakulär klingt das aber nicht.
Dann nehmen Sie ein anderes Beispiel: Ein Mensch erleidet zuhause einen Herzinfarkt. Es geht um Sekunden. Bisher verging bisweilen viel Zeit, bis ein Notarzt vor Ort war und den Transport organisierte. Eine autonome und vernetzte Mobilität könnte den Transport deutlich schneller erledigen. Denken Sie an die fahrerischen Qualitäten in Notsituationen. Ein Notarzt ist in erster Linie ein Notarzt und kein Rennfahrer, ein Computer aber, und das beweist der autonome Audi RS7, kommt nahezu an die Qualitäten eines Rennfahrers heran.
Steht das nicht im Widerspruch zum Sicherheitsdenken?
In Kombination mit den modernen Möglichkeiten der Gefahrenerkennung und einer Vernetzung der Autos untereinander nicht. Gerade die Vernetzung kann Leben retten. Immer wieder müssen zum Beispiel Menschen sterben, weil Rettungskräfte auf Autobahnen nicht schnell genug zum Unfallort kommen, da unachtsame oder gleichgültige Fahrer keine angemessene Rettungsgasse bilden. Vernetzte Autos würden auch dieses Problem lösen.
Glaubst du wirklich, dass die Menschen so viel Vertrauen aufbauen werden?
Zunächst mal nimmt der Mensch alles an, das ihm das Leben erleichtert. Deshalb wird er auch den autonomen Transport von A nach B annehmen. Eines der größten Probleme liegt in der Übergangsphase und hier schlicht in der Tatsache, dass Mensch und Computer gemeinsam innerhalb desselben Systems fahren und der Mensch hier die übergestellte Autorität ist, gleichzeitig aber auch die unberechenbare Variable bleibt.
Vorsicht, K.I.T.T. …
Ich analysiere lediglich Fakten. Und es ist nun mal so: Ein Mensch, der mit einem analogen, nicht vernetzten Auto beschließt, als Geisterfahrer den Freitod zu suchen, passt nicht in das logische Verkehrssystem, an dem sich Computer orientieren. Das sind Dinge, die ein Computer nur bedingt vorhersehen kann. Und wenn ein Brems- oder Ausweichmanöver außerhalb der physikalischen Grenzen liegt, wird auch ein Computer den Unfall nicht verhindern können. Dennoch: Bereits ich bin darauf programmiert, menschliches Leben zu schützen, und genau das wird auch die oberste Priorität jedes anderen autonom fahrenden Autos sein.
Beim Schutz des Menschen landen wir zwangsläufig bei den drei Gesetzen für Roboter, wie sie Isaac Asimov bereits 1942 in seiner Kurzgeschichte »Runaround« festgelegt hat? Hier liegt aber auch ein gewisses Gefahrenpotenzial, wie es im Film »I, Robot« 2004 umgesetzt wurde und wie es selbst mit K.A.R.R., deinem fehlprogrammierten, bösen Zwilling, in »Knight Rider« angelegt ist.
Haben Sie Angst vor mir?
Nein, Du bist K.I.T.T. …
Ihr Verhalten ist typisch Mensch. Sie versuchen alle nur erdenklichen Risiken auszuschließen. Doch ohne Risikobereitschaft stünde der Mensch jetzt nicht dort, wo er steht. Jede Entwicklung birgt ein Risiko, und verglichen mit früheren Pionieren in der Geschichte scheut der moderne Mensch der Gegenwart das Risiko deutlich mehr, als dies noch vor fünfzig oder gar hundert Jahren der Fall war. Der Traum vom Fortschritt bei gleichzeitig absoluter Sicherheit ist eine Illusion.