Wenn industrielle Vernunft kreativ wird
Das eigentlich Spannende an diesem Projekt liegt unter der schönen Oberfläche.
Volkswagen hat untersucht, welche Bauteile zur Identität einer Marke beitragen und welche sich gemeinsam nutzen lassen. Die allermeisten Komponenten teilen sich die vier Autos. Sichtbare und fühlbare Elemente werden markenspezifisch gestaltet. Der Rest profitiert von industrieller Vernunft.
Das spart Geld. Ziemlich viel sogar. 600 Millionen Euro hat diese Aufteilung nach Konzernangaben bereits eingespart.
Und es schafft Freiräume. Für unterschiedliche Designlösungen, für eigenständige Markenwelten, für automobile Persönlichkeiten auf gemeinsamer technischer Grundlage.
Auch künstliche Intelligenz hilft inzwischen mit. Eine im Konzern entwickelte Software verwandelt Skizzen in fotorealistische Bilder und Videos. Farben, Materialien und Oberflächen lassen sich in unterschiedlichen Lichtstimmungen und Umgebungen betrachten. Das spart laut Volkswagen bis zu einem Drittel der entsprechenden Zeit und Kosten im Designprozess.
Die Designer können schneller ausprobieren, vergleichen, verwerfen und weiterdenken. Die eigentliche Arbeit bleibt allerdings menschlich.
Denn die beste Software weiß noch lange nicht, warum ein Volkswagen freundlich aussehen sollte, ein CUPRA aufregend und ein Škoda pragmatisch. Dafür braucht es Menschen, die Marken verstehen. Ihre Geschichte, ihre Besonderheiten, ihre kulturellen Eigenheiten. Menschen, die erkennen, wann eine Form authentisch ist und wann sie lediglich so tut.
Und die gelegentlich auch den Mut haben, etwas wegzulassen.
Die Kunst besteht darin, aus industrieller Gemeinsamkeit eigenständige Produkte zu entwickeln, ohne dass die eine Marke zur verkleideten Schwester der anderen wird.
Knapp 150.000 Bestellungen meldet Volkswagen für die vier Modelle, noch bevor die Auslieferungen richtig begonnen haben. Ein beachtlicher Vertrauensvorschuss für die kleine Familienbande.
Der Unterschied macht die Freude
Paris ist für diese Geschichte natürlich ein schöner Ort. Eine Stadt, in der man gute Proportionen und feine Details zu schätzen weiß. Wo Stil eine gewisse Selbstverständlichkeit besitzt und ein gut geschnittenes Kleid gelegentlich mehr Eindruck macht als eine aufwendige Erklärung seiner Vorzüge.
Auf einem der offiziellen Pressebilder stehen die vier Autos nebeneinander vor dem Arc de Triomphe. Drei Marken, vier Automobile. Bei Alexandre Dumas waren die drei Musketiere bekanntlich auch vier.
Einer für alle, alle für einen. Unter dem Blech gilt das Motto bei Volkswagen ziemlich wörtlich.
Darüber trägt jeder seinen eigenen Degen.
In Paris würde man sagen: Très chic.