03. Sei du selbst. Alle anderen gibt es schon.
Der Satz wird Oscar Wilde zugeschrieben und steht in jedem zweiten Liebesratgeber. Für Automarken gilt er besonders.
Ein Alfa muss sich nach Alfa anfühlen, ein Volvo nach Volvo, und ein Citroën darf ein wenig schräg sein. Menschen spüren sehr genau, ob Form, Geschichte und Verhalten einer Marke zusammenpassen. Erklären können sie es selten. Merken tun sie es sofort. Authentizität entsteht jedenfalls nicht dadurch, dass man besonders oft behauptet, authentisch zu sein.
Und die Macken? Dürfen bleiben. Der Psychologe Elliot Aronson beschrieb 1966 den Pratfall-Effekt: Ein brillanter Quizkandidat wurde sympathischer, nachdem er sich Kaffee über den Anzug geschüttet hatte. Bei einem mittelmäßigen Kandidaten ging dasselbe Missgeschick nach hinten los. Wer überzeugt, darf sich also eine kleine Ungeschicklichkeit leisten. Sie macht ihn liebenswert.
Das gilt übrigens auch für Menschen.
04. Hab eine gute Geschichte. Aber erzähl nicht dauernd von früher.
2009 kauften die Journalisten Rob Walker und Joshua Glenn auf Flohmärkten rund hundert wertlose Kleinigkeiten, für zusammen etwa 130 Dollar. Zu jedem Stück schrieb ein Autor eine erfundene Geschichte, dann ging alles zu Ebay. Erlös: mehr als 3.600 Dollar. Die Dinge waren dieselben. Nur die Geschichten waren neu.
Automarken müssen ihre Geschichten nicht erfinden. Sie haben Archive voller Rallye-Siege, Familienurlaube und Ingenieure mit Eigensinn. In Paris holen gerade viele ihre schönsten Erinnerungen hervor.
Allerdings wird ein erstes Date ziemlich anstrengend, wenn das Gegenüber nur von früheren Erfolgen erzählt. Der Designer Raymond Loewy hatte dafür eine Formel: MAYA, Most Advanced Yet Acceptable. So fortschrittlich wie möglich, so vertraut wie nötig. Die Geschichte braucht also ein nächstes Kapitel.
05. Mach Lust auf ein gemeinsames Leben.
Ein gutes Auto kann viel. Ein liebenswertes Auto lässt uns davon träumen, was wir mit ihm erleben könnten. Ein Cabriolet verspricht Sommer, ein Geländewagen Abenteuer, ein schöner Kombi das angenehme Gefühl, das Leben samt Freunden, Familie und Gepäck ganz gut im Griff zu haben.
Die Konsumforschung nennt das Self-Congruity: Wir mögen Marken auch deshalb, weil sie zu unserem Selbstbild passen. Oder zu der Version von uns, die wir gern wären. Man verliebt sich gelegentlich eben auch in die Vorstellung vom eigenen Leben. Ein bisschen Eitelkeit gehört dazu.
Noch stärker wird die Bindung, wenn man mitmachen darf. Michael Norton, Daniel Mochon und Dan Ariely ließen Menschen IKEA-Kisten zusammenbauen. Für ihre selbst montierten Möbel wollten die Teilnehmer danach deutlich mehr bezahlen als für fertig gelieferte. Was wir mitgestalten, lieben wir mehr. Ein Auto, das man nach eigenem Geschmack einrichten darf, gehört einem schon ein bisschen, bevor es vor der Tür steht.
06. Wähle den richtigen Ort.
Paris wäre ohne Paris vermutlich nur halb so romantisch.
Forscher am California Institute of Technology gaben Probanden 2008 Wein zu kosten, während ein Hirnscanner lief. Derselbe Wein schmeckte besser, wenn er angeblich 90 Dollar kostete statt zehn. Das Belohnungszentrum zeigte tatsächlich mehr Aktivität. Der Rahmen verändert das Erlebnis, bis hinein ins Gehirn.
Licht, Architektur, Musik, der Tonfall am Telefon: Alles erzählt mit. Ein Auto vor dem Arc de Triomphe sieht anders aus als dasselbe Fahrzeug auf dem Parkplatz eines Baumarkts.
Wobei es irgendwann auch dort gefallen muss.
07. Bau eine Welt.
Hübsch allein reicht nicht. Die große Liebe braucht etwas Tiefgang. Manche Marken stehen für die Küstenstraße am frühen Morgen, andere für die Garage voller Werkzeug, wieder andere für den Kiesweg vor dem Landhaus. Wer einen Wagen kauft, zieht in diese Welt ein.
Wie mächtig solche Verknüpfungen sind, wusste ein Pariser schon vor mehr als hundert Jahren. Bei Marcel Proust genügt ein Stück Madeleine in Lindenblütentee, und dem Erzähler steht seine ganze Kindheit vor Augen. Die Psychologie spricht heute vom Proust-Effekt: Gerüche, Klänge und Berührungen öffnen das Gedächtnis schneller als jedes Argument. Manchmal genügt schon der Klang einer zuschlagenden Tür, und man ist wieder zwölf, sitzt auf dem Rücksitz und fährt mit den Eltern in die Ferien.
Solche Welten entstehen über Jahre, manchmal über Generationen. In der Aufpreisliste stehen sie nicht.