Wie Hazelight Erzählung und Mechanik dabei miteinander verknüpft, ist das eigentliche Meisterstück. In einem Kapitel hilft May dabei, Codys vernachlässigtes Gewächshaus herzurichten, und man spürt, dass das für die Figuren mehr bedeutet als eine Aufgabe. In einem anderen taucht das Paar in frühe Erinnerungen ein, in Momente, die zwischen beiden längst verblasst schienen. Das klingt rührselig, und manchmal ist es das auch, aber das Spiel zieht das durch, ohne je aufzudrängen.
Was »It Takes Two« von fast allem anderen im Genre trennt, ist das rücksichtslose Erfindertempo. Keine Mechanik kehrt zurück, sobald sie ihren Auftritt gehabt hat, und das ist keine müde Phrase, das ist das Designprinzip des gesamten Spiels. Cody schmeißt Nägel in Wände, die May mit ihrem Hammer als Schwungpunkte nutzt. Wenige Kapitel später bedient einer eine Honigkanone, während der andere Streichholzgeschosse hinterherschickt.
In einem weiteren Abschnitt dreht eine Figur die Zeit zurück, während die andere damit die eigene Sprungroute plant. Hazelight hat das Spiel von Beginn an für zwei Spieler gebaut, und das spürt man in jeder einzelnen Idee. Hinzu kommen 25 optionale Minispiele, die das Paar gegeneinander antreten lassen und das Tempo des Abenteuers immer wieder neu justieren. Das gesamte Abenteuer dauert rund zehn bis vierzehn Stunden, und keine davon fühlt sich wie Wiederholung an.
Die Switch 2-Version hat dieses Spiel keiner seiner Stärken beraubt. Turn Me Up Games hat sorgfältig gearbeitet: Die Bildrate läuft stabiler als in der ursprünglichen Switch-Fassung, die Auflösung ist spürbar geschärft. Lichteinfall und Partikeleffekte haben zusätzlich an Tiefe gewonnen. Einem Titel, der optisch irgendwo zwischen Pixar-Film und Spielzeugkastenwelt pendelt, steht das ausgesprochen gut.