Für einen großen Teil dieses Versprechens hat BMW vor langer Zeit drei Wörter gefunden, die längst mehr sind als Werbung: »Freude am Fahren«. Seit 1965, zunächst als »Aus Freude am Fahren«, 1972 fiel das »Aus«. Der Satz ist so bekannt, dass man leicht übersieht, wie präzise er sitzt. Da steht nicht Leistung, nicht Fortschritt, nicht Effizienz und keine der würdevollen Vokabeln, mit denen Unternehmen gern beweisen, dass sie ihre Strategiepapiere gelesen haben. Da steht Freude. Seit sechs Jahrzehnten. Freude ist für eine Automarke ein herrlich untechnisches Versprechen. Sie lässt sich nicht in Newtonmetern messen, kein Prüfstand bestätigt sie. Man merkt sie. Oder eben nicht.
Das Interessante daran ist die zeitliche Verlängerung. Bevor die Freude am Fahren entsteht, läuft längst ein Film im Kopf. Vorfreude aufs Fahren. Sie beginnt beim ersten Blick, beim Konfigurieren, bei der Farbe, über die vernünftige Erwachsene drei Abende lang diskutieren, als hinge davon die Zukunft Europas ab, beim überflüssigen Gang in die Garage am Abend, nur um noch einmal nachzusehen, ob es wirklich dasteht. Es steht da. Freude bekommt einen Vorlauf. Kluge Marken haben das begriffen. Sie verkaufen keine Produkte. Sie verkaufen das Kinoprogramm im Kopf. Der Spielplan feiert organisierte Vorfreude.
Und einen Nachlauf hat sie auch. Nach der Fahrt bleiben ein Song, ein Geruch, eine Straße, ein Abend, eine völlig falsche Abzweigung. Aus dem Erlebnis wird eine Geschichte, und Geschichten besitzen die angenehme Eigenschaft, Vergangenes wieder lebendig zu machen und dabei gleich neue Zukunft zu erzeugen. Irgendwann sagt jemand: „Das sollten wir wieder machen." Mehr braucht es nicht. Schon beginnt der ganze wunderbare Unsinn von vorn. So wandert Freude durch die Zeit: als Wunsch, als Vorfreude, als Erlebnis, später als Erinnerung und irgendwann wieder als neuer Wunsch. Sie verbraucht sich nicht zwingend im Augenblick ihres Eintreffens. Sie kann vorausleuchten und nachleuchten. Manchmal tut sie sogar beides gleichzeitig. Ein gutes Leben besteht am Ende eben weniger aus möglichst vielen Höhepunkten als aus gut verteilten Gründen, sich auf etwas zu freuen. Große Dinge sind willkommen, die kleinen funktionieren erstaunlich zuverlässig. Die Kunst liegt darin, die Zeit dazwischen aufzuladen.