Sie sagten einmal, dass Sie bei Larusmiani keine »Mode« machen. Wenn eines der angesehensten Häuser Mailands keine Modemarke ist – worum geht es dann?
Es geht nicht um Mode, sondern um Stil und Handwerkskunst. Wer sagt denn, dass Nachhaltigkeit nicht ein weißes Leinenhemd sein kann, handgefertigt in Italien aus dem feinsten Leinen der Welt, bestimmt dazu, jahrzehntelang Teil unserer Garderobe zu bleiben? Jedes Stück, das bei Larusmiani entsteht, jeder Stoff und jedes Accessoire, wird mit genau dieser Vision geschaffen: bewusst Abstand zu halten von der heutigen Vorstellung von Mode und Luxus – und sich stattdessen immer der Idee annähern, etwas wirklich Dauerhaftes zu schaffen.
In Ihrem Mailänder Store präsentieren Sie Sportwagen im Dialog mit Kleidung. Welche ästhetischen Kriterien muss ein Fahrzeug für Sie erfüllen?
Es gibt dafür keine rein ästhetischen Kriterien. Wie bei Kleidung und Accessoires bestehen großartige Autos zu 70 Prozent aus Substanz und zu 30 Prozent aus Schönheit. Außergewöhnliche Automobile sind das Ergebnis eines ständigen Strebens nach Perfektion: in Leistung und Rennsportvision, im Wunsch nach Sieg – und zugleich in Praktikabilität und der puren Emotion des Fahrens.
Seit 2019 kuratieren Sie FuoriConcorso am Comer See. War diese Veranstaltung die logische Konsequenz Ihres Bestrebens, Mode und Mobilität endgültig miteinander zu verbinden?
Alles begann mit einer tiefen Leidenschaft für Autos. Aber die erste Ausgabe von FuoriConcorso hat mir etwas Grundlegendes vor Augen geführt: Während der Präsentation unseres Buches und der Ausstellung der Bentley Continental-Modelle aus den 1990er-Jahren – handgefertigte Meisterwerke – wurde mir klar, dass Sammler mehr wollten als traditionelle Concours-d’Élégance-Veranstaltungen. Sie suchten echte Gelegenheiten, um ihr Wissen, ihre Leidenschaft und Emotionen mit Gleichgesinnten zu teilen. Aus dieser Erkenntnis heraus entstand FuoriConcorso – und daraus wurde noch weit mehr.
Dieses Jahr standen unter dem Titel »KraftMeister« deutsche Automobile im Fokus. Was macht deutsche Ingenieurskunst für Sie so faszinierend?
Genau das, was mich auch an bester Schneiderei und Handwerkskunst fasziniert: die Weigerung, Kompromisse einzugehen. Deutsche Ingenieurskunst besitzt eine moralische Dimension – das Gefühl, dass Präzision nicht nur eine technische Anforderung ist, sondern eine ethische. Das Streben nach Perfektion. Als Unternehmen wie Mercedes-Benz, Porsche, BMW oder Audi ihre legendärsten Fahrzeuge bauten, ging es nicht nur um Performance – sie formulierten ein Statement darüber, was es bedeutet, etwas richtig, vollständig und ohne Abkürzungen oder Kompromisse zu tun. Genau dieser Philosophie folgen wir auch bei Larusmiani. »KraftMeister« ist also ein absolut passender Titel.
→ Was den Modedesigner, Unternehmer und selbsterklärten Porsche Enthusiasten mit dem Fotografen Helmut Newton verbindet? Lesen Sie in Kürze im zweiten Teil unseres Interviews.