Der strukturelle Kniff, der »Fortune’s Weave« von seinen Vorgängern abhebt, liegt in der Art, wie Intelligent Systems die vier Erzählstränge miteinander verwebt. Wer »Fire Emblem: Three Houses« gespielt hat, kennt das Prinzip der multiplen Routen, muss sich aber von der Erwartung lösen, dass alle Wege vom gleichen Ausgangspunkt abzweigen. Hier beginnt jeder Charakter in einer eigenen Welt, mit eigenen Konflikten und eigenen Verbündeten, und die Momente, in denen sich diese Pfade kreuzen, treffen mit einer Wucht, die man erst dann vollständig begreift, wenn man zwei oder drei Läufe hinter sich hat. Zwischen den Kämpfen öffnet sich die Hauptstadt Dagsion als lebendiger Hub: Training, Rekrutierung, Gespräche, die tatsächlich etwas über die eigene Einheit verraten. Wer auf der Weltkarte in Dungeons abbiegt, erlebt zudem rundenbasierte Gefechte im klassischen JRPG-Stil, was dem Gesamtpaket eine angenehme Abwechslung gibt.
Das Kampfsystem trägt die DNA der Serie mit Stolz, ohne dabei stehenzubleiben. Waffenhaltbarkeit ist zurück und erzeugt genau den taktischen Ressourcendruck, den »Engage« vermissen ließ. Die Bataillone aus »Three Houses« kehren ebenfalls zurück und verleihen dem Schlachtfeld eine strategische Tiefe, die sich nach wenigen Stunden als echte Machtachse herauskristallisiert. Wer hier glaubt, auf Autopilot durchzukommen, wird von der feindlichen Aufstellung eines mittleren Kapitels freundlich, aber bestimmt eines Besseren belehrt. »Fortune’s Weave« fordert, ohne zu bestrafen, und belohnt gutes Nachdenken mit dem seltenen Gefühl, dass der eigene Plan tatsächlich aufgegangen ist.