Als Kind wurde ich jedes Jahr im Sommer zu meiner Oma aufs Land geschickt und wunderte mich, wie gereizt meine Großeltern auf die Kosmonauten im Fernsehen reagierten. Sie waren regimekritische Rentner, die sowjetischen Weltraumfahrer wirkten wie ein rotes Tuch auf sie. Damals bemühte sich die Sowjetunion in einem Wettbewerb mit der USA, das Weltall zu erobern. Jeden Abend winkten uns Kosmonauten in hundert Schläuche gewickelt vom Fernsehbildschirm aus zu. Eine stolze Stimme aus dem Off berichtete vom längsten und weitesten Flug ins Weltall. Es wurde über ferne Planeten und weit entfernte Galaxien erzählt, zu denen wir sehr bald unheimlich schnell fliegen würden. Warum sollten wir dahin? Was hatten wir in diesem staubigen, kalten Weltall verloren? Antworten auf diese Fragen gab es nicht, es galt als selbstverständlich, dass die Menschheit immer das Unmögliche anstrebt. Der unaufhaltsame Fortschritt sollte die Menschheit ganz nach oben bringen. Meine Großeltern schalteten sofort um, sobald sie Kosmonauten sahen, selbst das Weltall hielten sie für eine kommunistische Erfindung. Laut der Theorie meines Großvaters hatten die Kommunisten das Weltall als Ersatz für den christlichen Himmel erfunden, um die Bürger gehorsam zu machen. Laut Parteiprogramm sollte jeder von uns das Weltall als höheres Ziel anstreben, im irdischen Leben dagegen Askese üben, am besten das ganze Jahr über. Auf die Wonnen des irdischen Lebens sollte man verzichten, das ganze Geld des Staates wurde dem Weltall in den Rachen geschoben. Auch heute fallen Menschen noch auf solche Tricks herein.
Die Menschen sind leichtgläubig und verspielt, den Planeten sehen sie als »chancenreiches Depot für risikofreudige Anleger«, sie treten ein Leben lang aufs Gaspedal, in dem Glauben, etwas außerordentlich Wichtiges zu erobern. Soziologen meinen, das Gefühl der permanenten Unzufriedenheit sei der Motor der menschlichen Gattung. Der Mensch ist mit sich und der Welt grundsätzlich unzufrieden.