1968, gerade 18 Jahre alt, machte ich noch unfassbaren drei Fahrstunden meinen Führerschein. Den Lappen endlich in der Tasche zu haben, das war ein Gefühl, das ich weder beschreiben kann noch bis heute wieder hatte. Neugeboren, unabhängig, automobil, stolz und glücklich. Mein erstes eigenes Auto war ein gebrauchter Citroen Dyane 6, 18 PS, rot, laut, langsam, schwankend wie ein Maultier. Nach einem Jahr verreckte der Motor und ich wechselte flugs zu einer Marke, der ich bis heute (wenn auch mit Unterbrechungen) treu blieb: Mercedes Benz! Ein froschgrüner 180 b Ponton, ein 190 c Heckflosse, ein 220 s Ponton (arabergrau, Röhrenradio, 6 Zylinder Reihenmotor mit 100 PS aus 2200 ccm Hubraum), ein wunderschönes Auto, das mir leider unter dem Hintern wegrostete. Dann mehrere Heckflossen: 220 SE, 230 S, 300 SE und schließlich der Knaller: ein 280 SE Flachkühler-Coupe mit dem 3,5 ltr.-V8-Motor mit 200 PS, silbern mit dunkelblauem Interieur. Inzwischen studierte ich an der Kölner Musikhochschule, und es begab sich eines klirrend kalten frühen Wintermorgens, dass ich mit diesem Schmuckstück vor dem Backsteingebäude in der Dagobertstraße vorfuhr. Ich parkte direkt vor dem Haupteingang, vor dem circa 100 Studierende (Tenöre, Geiger, Schulmusiker, Holzbläser, Trompeter etc.) frierend auf Einlass warteten. Mein Eintreffen in der Nobelkarosse generierte eine Mischung aus Neugier, Unverständnis, Fassungslosigkeit, ja auch ein bisschen Hass.
Nach sekundenlanger Totenstille fand einer im Pulk die Sprache wieder und fragte mich, wofür denn die Anhängerkupplung an meinem Benz sei. Da Understatement noch nie mein Ding war, und ich überdies mit Bescheidenheit schlechte Erfahrungen zu haben glaubte, antwortete ich: „für mein Motorboot.“ Ich weiß nicht mehr genau, was dann passierte, ich muss aber irgendwie überlebt haben.