Ratatan
Wer in den frühen 2000ern eine PSP sein Eigen nannte, erinnert sich an »Patapon« wie an einen jener Momente, in denen ein Spiel alles neu erfindet. Hiroyuki Kotani, der Director dieser Serie, hat mit Ratata Arts nun »Ratatan« entwickelt, einen Rhythmus-Roguelite, der dieses Erbe aufnimmt und in eine neue Richtung biegt. Statt einer reinen Rhythmus-Simulation steuert man seinen Ratatan diesmal direkt über das Schlachtfeld, während man gleichzeitig per Rhythmuskommandos die Cobun-Armee lenkt, ein Balanceakt zwischen Action und Taktik, der sich nach wenigen Minuten wie ein eigener Groove anfühlt.
Acht spielbare Ratatan mit unterschiedlichen Kampfstilen und Cobun-Kombinationen stehen zur Wahl, und jede Wahl verändert, wie sich das Spiel anfühlt. Die Cobun selbst tragen unterschiedliche Waffen, und wer seltene Materialien in legendäre Ausrüstung verwandelt, hat plötzlich guten Grund, einen Ratatan auszuprobieren, dem man bisher keine Aufmerksamkeit geschenkt hat. Fünf Stages trennen einen vom Everafter, und wer auf dem Weg dorthin Candy und Donuts einsammelt, investiert sie zwischen den Runs in Upgrades für Armee und Commander. Das erzeugt genau jenen Sog, bei dem man nach einem gescheiterten Run nicht aufhört, weil der nächste Versuch bereits besser klingt als der letzte.
Das Herzstück ist die Fever-Mechanik: Wer den Rhythmus hält und Treffer setzt, steigert die Musik Schicht für Schicht, bis aus dem Grundthema eine vollere, treibendere Version wird, die das gesamte Schlachtfeld auflädt. Musik stammt von Kemmei Adachi, dem Komponisten des originalen »Patapon«, und David Wise, bekannt aus »Donkey Kong Country«, und das hört man: Der Soundtrack arbeitet nicht im Hintergrund, er ist das Gameplay. Wer den Takt verliert, verliert auch den Rhythmus der eigenen Armee, und dieser Zusammenhang zwischen Spielgefühl und Klang funktioniert in seiner besten Form wie kaum etwas anderes im Genre.
»Ratatan« ist kein Spiel, das auf den ersten Blick alle Karten zeigt. Die ersten Runs fühlen sich nach Einarbeitung an, nach dem dritten oder vierten kennt man die Mechaniken gut genug, um mit ihnen zu spielen. Wer Geduld mitbringt und sich auf den eigentümlichen Rhythmus einlässt, bekommt eines der originellsten Spieldesigns des Jahres, konsequent um die eigene Idee herum gebaut. Von U&I Entertainment gibt es »Ratatan« jetzt auch als physische Ausgabe für Nintendo Switch 2 und PlayStation 5.