Der Reihe nach: Mit achtzehn wurde Hill in einem Pub in eine wüste Schlägerei verwickelt. Wie schlimm er seinen Kontrahenten zurichtete, entzieht sich unserer Kenntnis. Graham selbst aber zog sich einen Leistenbruch zu. Unter starken Schmerzen fuhr er mit seinem Motorrad, einer Velocette, Baujahr 1936, in ein Londoner Krankenhaus und wurde operiert. Alles hätte sich gut entwickeln können – wenn sich der frisch Genesene nicht bei Schnee, Eis und Nebel gleich wieder auf sein Bike gesetzt hätte, um den 170 Kilometer langen Weg nach Cheltenham unter die Räder zu nehmen, wo er aufs College ging. Er prallte gegen ein geparktes, von dichten Nebelschwaden umhülltes Auto und blieb bewusstlos liegen. Glück im Unglück: nur ein – wenn auch komplizierter – Bruch des linken Oberschenkels. Also gleich wieder ins Spital. Drei Monate Bettruhe. Anschließend zwei Monate Eisenstütze und Krücken. Doch die Ärzte hatten gepfuscht. Während des Heilungsprozesses verkürzte sich das Bein trotz Stütze und bog sich immer weiter nach außen. Als Folge verkrümmte sich Hills’ Wirbelsäule, weshalb er von nun an unter ständigen Rückenbeschwerden litt.
Doch damit nicht genug: Sieben Jahre später fügte er auch noch seinem linken Fuß eine schwere Verletzung zu. Hill jobbte inzwischen als Automechaniker. Er wollte sich in einen zu reparierenden, steil bergauf geparkten Alfa Romeo setzen. Das linke Bein bei offener Tür noch draußen. Irgendwie schaffte er es, dass der Alfa nach hinten rollte. Sein linker Fuß, warum auch immer, stand aufgerichtet, Ferse unten, Zehen oben. Und jetzt rollte das linke Vorderrad über den in dieser Stellung verharrenden Fuß. Ein vorbeikommender Passant eilte zu Hilfe und brachte den Alfa zum Stillstand. Der Fuß heilte nie vollständig, fühlte sich immer ein wenig taub an. Was sagt uns all das? Erstens: Nichts sprach dafür, dass ein körperlich derart Beeinträchtigter je Rennfahrer werden könnte. Zweitens: Er hätte heutzutage niemals eine Lizenz erhalten. Drittens: Mit seinem lädierten Rücken würde er in einem brettharten Formel 1-Boliden der Gegenwart keine zwei Runden durchstehen. Viertens: Seine Triumphe sind in Anbetracht der geschilderten Ereignisse noch höher zu bewerten.
Es gab noch ein weiteres Argument, das gegen eine Rennfahrerkarriere sprach: Graham machte erst mit vierundzwanzig den Führerschein. Mit Autos konnte er nichts anfangen, sein sportliches Interesse galt dem Rudern und er war Mitglied im Londoner Rowling Club – einer der besten Schlagmänner im Achter. Das Logo des Clubs, acht weiße Ruderblätter auf dunkelblauem Untergrund, zierte bis zuletzt seinen Rennfahrerhelm (auch den von Damon Hill). Womit er einmal sein Geld verdienen sollte, davon hatte er nicht die geringste Ahnung. Sein Vater, ein Börsenmakler, kannte jemanden beim Instrumentenbauer Smith’s. Mit wenig Begeisterung begann Graham dort eine Lehre. Seinen Wehrdienst leistete er bei der Royal Navy ab. Nach Abschluss der erforderlichen zwei Jahre kehrte er – mit noch weniger Begeisterung – zu Smith’s zurück.