Nach einer kaufmännischen Ausbildung in der Schweiz zog er nach London – ein Ort, an dem Handel, Akribie und Weltoffenheit aufeinandertrafen. Wilsdorf bewegte sich dort nicht als romantischer Uhrmacher, sondern als sachlicher Organisator, als jemand, der Abläufe verstand, Märkte analysierte und genau beobachtete, wie Menschen lebten. Seine Ideen entsprangen selten technischen Impulsen, sondern fast immer der peniblen Alltagsbeobachtung: Wie geht man mit der Zeit um? Wie orientiert man sich in der Zeit? Wie wird die Zeit eigentlich genutzt? Was hindert Menschen daran, sie praktisch bei sich zu führen? Welche Lösungen wären sinnvoll?
Dass er ausgerechnet die Armbanduhr weiterentwickeln würde, war weniger ein dramatischer Geniestreich als die rationale Schlussfolgerung eines Mannes, der erkannte, dass moderne Mobilität neue Werkzeuge braucht. Als er 1905 sein Uhrenunternehmen gründete, galt die Armbanduhr eher als modisches Nebenprodukt, das sich nicht unbedingt durch Genauigkeit und Strapazierfähigkeit auszeichnete, im Gegenteil. Aber Wilsdorf interessierte nicht die Tradition, sondern die Anwendung. Er war überzeugt: Eine Uhr hat ihren größten Nutzen dort, wo sie sich am leichtesten ablesen lässt – und das ist nun einmal das Handgelenk.