Optisch ist »Belmont's Curse« ein Ausnahmefall: Evil Empire hat sich für satte, lebendige Farbpaletten entschieden, die dem Genre-Standard für düstere Burg-Ästhetik gründlich widersprechen und gerade deshalb funktionieren. Die geschichteten Hintergründe erzeugen Tiefe in 2D-Kulissen, die sich wie vollständige Welten anfühlen. Wenn Rose vor der Silhouette des flammenden Paris in Draculas Burg schreitet, alles hinter ihr in Rot und Orange getaucht, sitzt man kurz mit offenem Mund da. Carmilla, eine Blutmagierin in einem Kleid aus tropfendem Blut, gehört zu den eigenwilligsten Figuren-Designs des Genres.
Die Soundkulisse hält dieses Niveau. Die Musik wechselt organisch zwischen neuen Kompositionen und Arrangements klassischer Serienthemen, und wenn »Vampire Killer« und »Bloody Tears« in frischer Orchestrierung einsetzen, hört man auf zu spielen und dreht den Ton hoch. Das ist der Effekt, den gut gemachter Fan-Service immer hat. Dass sich manche Stücke bei langen Erkundungspassagen irgendwann wiederholen, ist der einzige Kompromiss, den das Spiel in seiner Gesamtbilanz macht.
»Castlevania: Belmont's Curse« ist eines jener Spiele, bei denen man nach dem Abspann nicht weiß, ob man traurig oder dankbar sein soll. Evil Empire hat jedes System so gebaut, dass es das nächste antreibt, und genau das beschreibt den Sog, den die gesamte Erfahrung entwickelt. Rose Belmont bekommt den Auftritt, den die Reihe verdient hat. Und wer nach gut zwei Dutzend Stunden immer noch nicht genug hat, darf wissen: Das spricht für den Inhalt, nicht für schlechtes Zeitmanagement.