Das Herzstück bleibt die Freiheit. Ancaria lässt sich in beliebiger Reihenfolge bereisen, Quests verzweigen sich organisch, und die Welt erzählt ihre Geschichte leise, ohne Zwischensequenzen. Wer den Inquisitor spielt, kann Intrigen spinnen, wer als Tempelwächter auftritt, entdeckt uralte Maschinen und Magie in einer Form, die noch heute eigenständig wirkt. Es ist ein Spiel, das Offenheit nicht erklärt, und viel mehr voraussetzt. Ein Designprinzip, das 2008 mutig war und 2025 weiterhin modern bleibt.
Bemerkenswert ist, wie unverbraucht der Ton geblieben ist. »Sacred 2« war nie düster, nie ironiefrei. Es nahm sich selbst ernst genug, um glaubwürdig zu sein, und blieb verspielt genug, um Spaß zu machen. Diese Balance ist erhalten geblieben. Neue Shader mögen für Atmosphäre sorgen, doch der eigentliche Glanz liegt im Text, in Dialogen, in Details. Sätze wie kleine Artefakte einer Zeit, als deutsche Studios noch eigene Welten bauten, ohne Rücksicht auf Trends.